Wie man schlechte Buchkurse erkennt

Detailed close-up of a vintage typewriter keyboard in black and white.

Kurse, mit denen Kunden endlich „ihr Buch“ schreiben können, werden inflationär angeboten. Und trotzdem sind sie für die allermeisten Kunden nicht das legitime Instrument, um die eigenen Ziele damit zu erreichen. Oft sind sie hartes Marketing am Rande der Täuschung. Warum das Konzept „Buchkurs“ echte Schwächen in Bezug auf viele Ziele eines angehenden Autors hat? Weil sie nicht zu den Zielen passen können!

Coachings und Angler fangen immer die größten Fische…

Seit sich „Coaching“, was immer das genau ist und sein will, in Deutschland Bahn gebrochen hat, war es vermutlich nie ganz unverdächtig Dinge zu behaupten, die hinterher nicht unbedingt eintreten. Das ist per se kein Problem, gilt es doch für viele Produkte und ihre Marketingversprechen. Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio hat überschaubaren Nutzen, wenn man nicht hingeht. Das Anlageprodukt der eigenen Bank bringt keinen Zins, wenn man die Kohle am Ersten im Shoppingcenter lässt. Es braucht eben immer auch die Mitwirkung des motivierten Probanden. Das wissen wir, das akzeptieren wir und das ist am Ende des Tages sogar fair. Wir sind hier eben nicht bei „Wünsch dir was“, wir sind hier bei „So isses“!

Close-up of a fishing lure hanging against a clear blue sea backdrop, ideal for outdoor and fishing themes.

Und doch haben viele Ausgestaltungen und Angebote aus dem großen Komplex des Coachings sich zurecht einen schlechten Ruf hart erarbeitet. Denn, das ist ein Satz, den man von manchen Coachinggrößen immer wieder gerne hört:

Der große Vorteil des Coachings ist, dass der Anbieter für die Umsetzung und den Erfolg später nicht verantwortlich ist.

Das habe ich immer wieder gehört und immer wieder für mindestens fraglich gehalten. Die allermeisten Anbieter von Coachingangeboten arbeiten, implizit oder explizit, auf Basis der Sicherheit, sich immer wieder hinter diese Barrikade zurückziehen zu können: „Umsetzen müssen Sie ja am Ende noch selbst, lieber Kunde!“ Neben den manchmal (viel seltener als angehende Coaches wahrscheinlich denken) sehr lukrativen Verdienstmöglichkeiten ist diese bequeme Sicherheit eines der Hauptargumente, warum heute jeder Coach werden will.

Natürlich muss es Grenzen geben, was der Coach und was der Coachee an Verantwortung jeweils tragen. Doch auf jeden Fall liegt es in der Verantwortung der Anbieter, nichts zu versprechen, was später nicht durch die Kunden erreicht werden kann. Und die sind andersherum in der Verantwortung darauf zu achten, dass die Kurse, die sie buchen, ihren Zielen entsprechen. Dieser Herausforderung, die Coach und Kunde teilen, und die sie trotzdem nicht hinter einem gemeinsamen Ziel vereint, wird unterschiedlich gelöst. Manchmal, in dem etwas versprochen wird, was nie gehalten wird. Täuschung! Manchmal, indem etwas versprochen wird, was nur manchmal gehalten wird. Motivationsdefizit des Kunden? Und manchmal, indem etwas versprochen wird, was der Kunde attraktiv findet, aber gar nicht braucht. Jeden Morgen steht ein Dummer auf…

Warum Buchkurse den meisten Kunden Sand in die Augen streuen

Dann wird zum Beispiel ein Buchkurs verkauft, in dem es wesentlich darum geht, wie denn ein Buch geschrieben wird. Klingt fair, oder? Aber es geht nie darum, wie ein solches Buch an einen guten Verlag vermittelt und später gut verkauft wird. Wer Bestsellerautor werden will oder nur viel Sichtbarkeit für seine Expertise haben möchte, zieht trotzdem den Kürzeren, obwohl er alle Ziele des Kurses erreicht. Wer Renommee aus dem Vertrag mit dem guten Verlag ziehen möchte, hat halt auch Pech. Aber immerhin hat er dann mal aufgeschrieben, was ihn so antreibt. Veröffentlicht im Selbstverlag und gelesen von der begeisterten Verwandtschaft. Aber entsteht daraus Business? Ja, für den Kursanbieter!

A large flock of sheep in a rural field near Burgos, Spain, during a cloudy day.

Dann hoffen die Kunden, ihre großartige Buchidee, mit der sie schon seit Jahren schwanger gehen, doch endlich einmal final aufgeschreiben zu können, wo sie bisher immer nach einigen Seiten ins Stocken geraten sind. Und dann stellen die Anbieter der Buchkurse fest, dass hochmotivierte Kunden schnellen Erfolg sehen wollen, damit sie bei der Stange bleiben, weitermachen, weiter buchen und sich gegenseitig unterhalten. Also werden Ihnen „Gehhilfe“ auf dem eigenen Weg empfohlen, beispielsweise schnell ihr eigenes Buch zu diktieren und damit schnell Seite an Seite des eigenen Buches zu verfassen. Das ist dann inhaltlich nicht zwingend sehr stark, oft nicht strukturiert und auf keinen denkbaren Markt orientiert. Es wird den jungen Autoren wahrscheinlich keine neuen Kunden bringen und auch keinem Verlag gefallen. Aber der Kurs war toll! Man hat endlich mal das eigene Buch geschrieben, dass man sich schon seit Jahren wünscht. Der beste Kurs ever, das war sooooo motivierend!

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt erfolgreicher Schubladenautor!

Dann stellen Kunden in solchen Kursen die sehr kluge Frage, ob sie denn auch mit ihren Inhalten später veröffentlicht werden. Bämm, Killerfrage! Darauf hat der kluge Kursanbieter aber auch eine Antwort. Die Texte kommen in ein Buch. Und sogar in ein Buch, in dem die 19 anderen Teilnehmer des Kurses auch ihre Texte abdrucken können. Das Buch wird bei einem renommierten Verlag gedruckt. Die 50.000 €, damit der Verlag diesen Quatsch mit Bauchschmerzen veröffentlicht, kann der Kursanbieter leicht aus den hohohen Kurskosten der einzelnen Teilnehmer finanzieren. Und alle Versprechen wurden am Ende gehalten. Autor ist damit übrigens auch so richtig niemand geworden. Aber der Experte vom Buchkurs ist mal wieder Herausgeber.

Und wenn der Kunde doch nun wirklich sein eigenes Buch veröffentlichen möchte, dann ist auch das kein Problem. Dann werden ihm in epischer Breite die Möglichkeiten der Veröffentlichung im Selbstverlag vorgestellt. Dazu können sogar die passenden Anbieter empfohlen werden, die gegen Druckkostenvorschuss und Marketingpauschale ein richtig echtes Buch daraus machen. Vielleicht in einem kurzerhand selbst gegründeten Verlag des Anbieters, vielleicht bei einem weniger renommierten Verlag oder im – oh Wunder, auch das ist möglich – Verlag des Kunden selbst! Als Print-on-Demand bei Amazon Kann der Kunde sogar Amazon Bestsellerautor werden! Dass das nichts besonderes ist und keine einzige wirklich renommierte Bestsellerliste ermöglicht, weil der Selbstverlag dort gar nicht akkreditiert ist – geschenkt! Das muss ja nicht gleich am Anfang jedem Kunden so erklärt werden, zumal wenn er nicht danach fragt.

Dann hat der Kurs einen attraktiven Preis, der glücklicherweise nach langen Telefonaten auch noch einmal um 50 % gesenkt werden konnte – nur für diesen Kunden. Und der Anbieter muss die Quadratur des Kreises lösen, den Kunden stets intensiv und vor dem Hintergrund seiner individuellen Ziele zu begleiten und trotzdem kosteneffizient zu arbeiten. Die Antwort bei den meisten Anbietern ist: klappt halt nicht! Also muss früher oder später die Rasenmähermethode angewendet werden, die alle Halme gleich kurz schneidet. Und das gilt es so gut wie möglich zu verdecken: Indem der ausgewiesene Experte dann im Themencall durch einen motivierten Studenten ersetzt wird, der noch nie ein Buch geschrieben hat. Indem die Kunden mit Aufgaben schwer in die Pflicht genommen werden, weil sich das gleichzeitig für die unheimlich beschäftigt anfühlt und den Anbieter von jeglicher Leistung entbindet. Und indem die Kunden sich in wunderbaren „Community-Calls“ so lange um sich selbst und alle anderen drehen und die anderen aus der Gruppe breitwillig gleich mit motivieren, so dass der Anbieter in der Zeit Geldscheinchen zählen kann. Muss ja auch gemacht werden!

So geht manchmal Coaching. So geht manchmal Marketing. Aber so muss es nicht gehen. Denn wer die richtigen Fragen stellt, wird die richtigen Antworten bekommen. Fünf Euro ins Phrasenschwein, aber hier sind trotzdem ein ge wichtige Fragen:

  • hat der Anbieter des Buchkurses meine Ziele bereits selbst erreicht und damit einen Proof of Conzept?
  • hat er ein wiederholbares Modell – eine Strategie – geschaffen, mit dem diese Ziele mit höherer Wahrscheinlichkeit erreicht werden?
  • ist er bereit, dieses Strategie mit mir als Kunden überhaupt zu teilen?
  • ist der Kurs oder das Coachingangebot teuer genug (jawohl!), damit der Anbieter sich auch explizit und intensiv mit meinem Thema als Kunde auseinandersetzen und alle notwendigen Road Blocks aus dem Weg räumen kann?
  • werde ich als Kunde vor Beginn überhaupt nach meinen individuellen Zielen gefragt und werden diese eingeordnet: machbar, möglich, schwierig, wenn du dich anstrengst, vergiss es…?
  • bin ich einer von vielen?
  • fragt der Anbieter nach meiner Bereitschaft, für große Ziele, auch lange Wege zu gehen oder scheint alles ganz einfach?
  • Habe ich mir überhaupt meine wirklichen Ziele – im Zweifel mithilfe des Anbieters – klargemacht, und kann ich explizit danach fragen: ein Buch schreiben, einen renommierten Verlag finden, viele Bücher verkaufen, Tantiemen einstreichen, einen Buchpreis gewinnen, Neukunden akquirieren, als Experte wahrgenommen werden, gebucht werden,… was will ich? Und was kriege ich?

Buchen Sie einen Buchkurs oder beauftragen Sie einen Berater für ihr Buchprojekt immer so, wie sie zu McDonald’s oder einer anderen tollen Fastfoodkette gehen würden. Auch dort haben sie ihre Erwartungen vorher klar im Griff, wissen, was geht und was nicht geht.
Den Big Mac ohne Gürkchen? Das geht. Fine Dining? Geht nicht. Günstig essen? Absolut machbar und tatsächlich das Herausragende an diesem Angebot gegenüber anderen. Gesunde Ernährung? Schwierig, da muss man schon genau hinschauen.

So wie sie in einem Fertigrestaurant wissen, was sie erwarten können und was sie nicht erwarten können, und für bestimmte höhere Ansprüche dann eben woanders hingehen, so buchen Sie auch Buchkurse. Wenn die Ziele groß sind, beispielsweise ein „A-Titel“ bei einem renommierten Verlag erreicht werden soll, dann geht das eben nicht für 20 Leute gleichzeitig. Dann muss das Projekt so individuell und aufwändig gestaltet sein, dass es ihren besonderen Zielen überhaupt gerecht werden kann. Minimaler Aufwand und maximaler Ertrag, das hat noch nie funktioniert. Höchstens für Coaches…

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