Ein eigenes Sachbuch zu verfassen ist erstaunlich schnell und zielorientiert möglich, wenn dabei eine bestsellererprobte Struktur angelegt werden kann. Dazu braucht es einige unverzichtbare Elemente. Und zwei davon lassen sich mit dem ersten und letzten Kapitel gut beschreiben. Ziemlich leicht: Danach gilt es nur noch, den Raum dazwischen zu füllen.
Der Experte weiß es besser als der Leser
Bei diesen beiden wichtigen Elementen handelt es sich um das erste und das letzte Kapitel, damit gleich mal um den Rahmen des ganzen Buches. Und die erfüllen zwei glasklar zu beschreibende Aufgaben. Das erste Kapitel beschreibt das Problem des Lesers so gut, wie dieser es nicht alleine könnte. Damit zeigt der Autor und Experte, dass er für ein relevantes Thema eine adäquate Expertenrolle einnimmt. Wer in der Lage ist, ein Problem so präzise zu beschreiben, dass der Leser davon gleich einmal positiv überrascht ist, schafft eine sofortige Verbundenheit und Offenheit für das Thema. Schließlich beschäftigt sich der Leser womöglich schon länger mit diesem Problem und versucht durch eigene Betrachtung, ihm adäquat zu begegnen. Wenn ein Autor nun darstellen kann, dass er den Leser mit dieser Herausforderung sieht und erkennt, wird das sehr positiv aufgenommen. Schließlich ist das die erste brillante Abkürzung auf dem Weg des Lesers zu seinem eigenen Ziel. Egoisten vortreten, bitte. Ach, sind sie schon…!

Das letzte Kapitel beschreibt analog eine Lösung, auf die der Leser aus eigener Kraft in dieser Qualität nicht kommt und entlastet ihn damit abermals. Es wird eine geniale, erprobte und gut belegte Lösung angeboten. Diese will der Leser unbedingt erreichen, wenn nur das Thema des ganzen Buchs zuvor sorgfältig ausgewählt und gegebenenfalls getestet wurde.
Der Rahmen eines guten Buchs: Beschreibe das Problem deines Lesers besser, als dieser es je könnte. Und biete ihm dann eine Lösung an, die besser ist als alles, was ihm dazu eingefallen ist.
Um dieses Vorgehen zu operationalisieren, erstelle ich immer zuerst ein Inhaltsverzeichnis eines Buches. Ich möchte ja wissen, worüber ich schreiben werde und nicht abschweifen oder zu viel Arbeit hineinstecken. Deswegen schreibe ich zwei große Kapitel auf und benenne sie mit römischer Zählung:
I.: Das Problem des Lesers
V: Die beste Lösung
Dann formuliere ich, möglichst ohne künstlerische Schönschreiberei und sehr präzise, worum es in diesen beiden Kapiteln gehen soll. Später können die Kapitel noch umbenannt werden, aber für die jetzige Strukturierung des Wissens ist es extrem wichtig mit dem Kapitel nur zu beschreiben, worum es gehen soll. Problem und Lösung.
Dazwischen wird dann in den weiteren großen Kapiteln ein Modell entwickelt, wie aus dem präzise beschriebenen Problem heraus eine Lösung entwickelt wird, die dann im letzten Kapitel zum großen Ganzen zusammen findet. Das müssen nicht drei „Zwischenkapitel“ sein, wie es hier vorgeschlagen ist (II.-IV.) und das letzte Kapitel muss deshalb auch nicht die Nummer „V“ tragen. Manchmal sind es mehr, manchmal sogar noch weniger. Aber es wird ein grobes Modell beschrieben, wie sich die Lösung entwickeln kann. Welche großen einzelnen Elemente müssen bedacht oder bearbeitet werden. Das ergibt idealerweise ein eigenes Modell, und die sind extrem beliebt. Modelle strukturieren große Komplexität zu einer überschaubaren Menge an Wissen und Verständnis, die der Leser erfassen muss. Das wird er sehr schätzen.
Wirklich extrem viele Bestseller stellen dieses Modell dann später sogar als Titel heraus: die 1-Prozent-Methode, Ikigai, Konmari, die „Hawei-Methode“, und viele mehr. Jeder erfolgreiche Coach hat seine eigene Methode erfunden, wie das Kontenmodell, die 4 Tiere (Tobias Beck) oder die „Millionär-in-24-Monaten“-Methode und haben diese gut verkauft. Und das kann man seltsam, albern oder falsch finden; aber es funktioniert. Wer sich dieser Methode (!) selbst bedient und eine eigene Methode implizit oder explizit zum Gerüst seines eigenen Wissens macht, führt den Kunden vom jetzt klar definierten Beginn eines guten Buches zu einem erstrebenswert Ziel.
So schreiben sich dann auch die Zwischenkapitel des eigenen Buches relativ gut und es wird aus meiner Sicht ein relativer Idealzustand erreicht: Es müssen dann nur noch die Lücken zwischen den großen Überschriften gefüllt werden. Erst mit einzelnen Unterüberschriften (Deutsch ist eine tolle Sprache,oder?!): III.2, IV.5, II.2, … Und dann auch sehr zielorientiert mit den Texten, die diese Unterüerschriften jeweils präzise beschreiben. Wer also dazu neigt, aus seinem reichhaltigen Wissen nur schwierig herausfiltern zu können, was in ein Buch hinein darf und was nicht, der stellt sich die hier vorgestellten Fragen in dieser Reihenfolge:
I: Was ist das Problem meines Lesers?
V: Was ist meine beste Lösung für ihn?
II. – IV: Mit welchem Modell würde ich ihm diese Lösung auf dem Weg zur Lösung am besten erklären?
Und was muss er dann für jeden einzelnen Schritt wissen?
Das ergibt schon ein Inhaltsverzeichnis und ein gutes Inhaltsverzeichnis gibt mit höherer Wahrscheinlichkeit ein gutes Buch.

